Tango-Vita von Ralf Sartori
Ralf Sartori gehört mit seiner Tango-Schule zu den Pionieren der Münchner Tangoszene, in der er bis heute als Lehrer, Veranstalter, Show-Tänzer, Choreograph (auch für Film und Fernsehen) und vierfacher Tangobuch-Autor aktiv ist.
Nicht zuletzt durch seine vier Bücher über den Tango vom Rio de la Plata, von denen eines bereits in mehreren Sprachen erschienen ist, brachte er es auch zu internationaler Bekanntheit.
“Von 1982 bis 1994, lebte ich in West-Berlin, wo ich 1988 begann, Tango zu tanzen. Nach der ersten Sättigung am Treibenlassen im Berlin dieser Jahre, holte ich mein Abitur am Berlin-Kolleg nach und widmete mich einer T´ai Chi-Lehrer-Ausbildung, deren Resultate ich in meine spätere Tango-Arbeit einfließen ließ.
Doch vor allem nahm ich dort jede Gelegenheit wahr, Tangotanzen zu lernen und fast jede Nacht auf die Milongas zu gehen. 1988 hatte ich damit begonnen, zuerst bei Michael Rühl im „Estudio Sudamerica“, nach zwei Jahren wechselte ich dort dann in den Unterricht von Juan Dietrich Lange, wo ich in meiner Tango-Verrücktheit der ersten Jahre sämtliche Kurse und Stufen, sein gesamtes Curriculum, im Eil-Marathon durchlief.
Das war auch in Berlin noch eher die Anfangszeit des „Tango rioplatense“ nach seiner neuerlichen Rückkehr in die Alte Welt, die Szene – damals noch familiär und überschaubar, ein spezielles Milieu, noch nicht in der gesellschaftlichen Breite angekommen, wo der Tango heute oft auch unter der kommerziellen Walze einer Massenbewegung plattgemacht wird, das „Estudio“, wie es alle nannten, noch eine kleine Lokalität im Grunewald, am Stadtrand.
Und sonntags traf man sich häufig in kleinem Kreise im „El Parron“, einem Chilenischen Lokal, das es heute auch schon lange nicht mehr gibt, um nach einem sehr guten karibischen Abendessen dort zwischen den Tischen zu tanzen.
Zwischen 1991 und 1993 nahm ich auch Unterricht darin, Bandoneón zu spielen, bei Klaus Gutjahr, in seiner moabiter Etage.
Von Mitte 1991 an widmete ich mich jedoch vor allem der Arbeit in einer Tango-Bühnengruppe, der „Grupo del baile del Estudio Sudamerica“, in welcher wir häufig Auftritte, auch außerhalb Berlins, hatten.
Schon lange vor meiner Rückkehr hatte ich vor, in München einmal eine eigene Schule zu gründen und, aufbauend auf dem System, das ich in meiner Lehrzeit verinnerlicht hatte, das meinige weiterzuentwickeln.
1994 lernte ich Mariejo Reyes kennen. Wir wurden Bühnenpartner und gründete gemeinsam die Schule „Tango à la carte“ in München.
Allein bis zu unserer beruflichen Trennung im Jahr 2000 veranstalteten wir weit über 130 große Tango-Bälle mit Live-Musik.
Zwischen 1994 und 1996: Teilnahme an zweijähriger Tangolehrer-Ausbildung im Estudio Sudamerica bei Juan D. Lange, wofür wir an zahlreichen Wochenenden wieder in Berlin waren.
Diese Zeit nutzte ich auch intensiv, um weiterhin die unendlich vielfältige Kultur und Geschichte des Tango zu entdecken.
1996 und 1998 boten wir, im Rahmen unserer Arbeitsfelder, als Gastlehrer in diversen Münchner Tanzstudios auch Fortbildung-Seminare für ADTV-Tanzlehrer an.
In der Tanzschule „Neubeck/ Ebel“ veranstalteten wir während dieser Zeit, neben zahlreichen Workshops, regelmäßig eine Milonga, die erst um Mitternacht begann und bis Tagesanbruch ging, mit dem Titel „Tango – de medianoche hasta la madrugada“.
Von 1994 bis etwa 2001 veranstalteten wir etwa 100 Bälle, im Hansapalast des Feierwerk, die immer mit Live-Musik waren, darunter auch einige Silvester-Bälle.
Um 1998 luden wir fünfmal zu Tango-Bällen mit Live-Musik ins „Wirtshaus im Isartal“, darunter zu einen Tango-Fasching.
Von Anfang 1997 bis Herbst 1999 veranstalteten wir regelmäßig auf „Schloß Elmau“ Tango-Unterrichtswochenenden und –Wochen sowie häufig Tango-Bälle mit Live-Musik: im großen Fest- und Ballsaal, sowie im eleganten Kaminsaal.
Zwischen 1997 und 1998 lebte ich zudem ein Jahr lang überwiegend in Venedig, ließ mich von dieser Stadt absorbieren und schrieb dort, gemeinsam mit der Musikwissenschaftlerin Dr. Petra Steidl, mein erstes Tangobuch „Tango, die einende Kraft des tanzenden Eros“, das ein Jahr später im Heinrich Hugendubel Verlag erschien.
Um in dieser Zeit meinen Tango-Verpflichtungen in München nachzukommen, setzte ich mich, als Süd-Nord-Gastarbeiter, immer wieder mal in die Alpen-S-Bahn, den Nachtzug nach München, um nach getaner Arbeit schnell wieder zurückzukehren in meine Serenissima.
1998 unterrichtete ich auf der Basis eines Honorarvertrages nebenher auch zwei Stunden täglich den vierten Jahrgang des Studienganges Schauspiel an der Bayerischen Theaterakademie des Prinzregententheaters in München, unter Leitung von August Everding.
Dabei leitete ich aus meinem Tango-Unterricht ein eigens dafür entwickeltes System von Körperarbeit und Grundlagen-Übungen zur Raumorientierung, Interaktion und Bühnenpräsenz ab, das speziell auf Schauspieler zugeschnitten war.
1999 verfaßte ich auf Anfrage der AOK-Deutschland einen Artikel für das Magazin „Vigo“ über die positiven Auswirkungen auf die seelische und körperliche Verfassung durch Tangotanzen.
In den Jahren der Zusammenarbeit mit Mariejo wirkten wir in zahlreichen Radio-Interviews und Fernsehsendungen über Tango mit, wie für den hessischen Rundfunk (HR2), in TV-Magazinbeiträgen und Reportagen für die Sender Arte, Pro7, Sat1 und TV-München.
Nach der beruflichen Trennung von Mariejo Reyes arbeitete ich im Auftrittsbereich manchmal noch mit ihr zusammen: wie in einer Tango-Show auf der Frankfurter Buchmesse (Oktober 2000) oder bei Auftritten in Münchner Kirchen, auf Festen und im Fernsehen.
Daneben arbeitete ich auch mit anderen Showtanz-Partnerinnen, von denen ich manche von Anfang an selbst ausgebildet hatte.
Seit etwa 2000 unterrichte ich alleine und tanze Bühnen-Shows mit unterschiedlichen Partnerinnen.
Mein erstes Tango-Buch, „Tango – die einende Kraft des tanzenden Eros“ schrieb ich in Venedig, wo ich von zwischen 1997 und 1998 etwa ein Jahr lang lebte. Es enthält Essays über den Tango, die sich überwiegend mit seiner Philosophie beschäftigen, die der Tanztechnik immanent ist und sich wortlos durch sie ausdrückt. Sie befassen sich teilweise aber auch mit historischen Aspekten sowie den psychologischen, sozialen und kulturellen –, wie sie typisch sind für die heutigen Tango-Szenen Europas.
Zwischen 1999 und 2007 schrieb und veröffentlichte ich insgesamt acht Bücher, wovon vier davon den Argentinischen Tango behandeln. Das erste, bereits erwähnte, wurde bisher in drei Sprachen herausgegeben.
Mein zweites Tango-Buch, das zeitgleich zum ersten entstand und bereits in vierter und erweiterter Auflage erschienen ist, heißt „Tango – Tanz der Herzen / Ein Unterrichtsbuch zum Argentinischen Tango“. Es analysiert und erklärt detailliert die Tanztechnik des Tango’, seine Struktur und Elemente, und enthält neben einer Vielzahl an Bildern, auch zahlreiche Beschreibungen von Übungen. Beide Bücher sind ‚Longseller’ und gehören zu den Standard-Werken über Argentinischen Tango im deutschsprachigen Raum. Zweiteres ist bisher auf dem Markt das einzige Unterrichtsbuch zum Argentinischen Tango und bis 2010 in vier Auflagen erschienen.
Mein drittes Tango-Buch, das ich zusammen mit Valeria Marra schrieb, heißt „Tango-Dialogo / Erotische Zwiegespräche im Tanz“. Es stellt einen poetischen Briefwechsel zwischen einem Tango-Paar über die Erfahrung des gemeinsamen Tanzens dar und ist ein Dialog in Gedichtform.
Mein viertes Tango-Buch trägt den Titel „Tango in München – Geschichte und Gegenwart der Münchner Tango-Szene“. Es erschien Ende Okt. 2007 im München Verlag, unter der ISBN 978-3-937090-21-4. Darin wird die 20jährige Geschichte der Münchner Tango-Szene erzählt, gründlich und lückenlos recherchiert, anekdotenreich und unterhaltsam – aus einer Insider-Perspektive. Das Buch bündelt die wesentlichen Informationen, enthält die Kontaktdaten aller Anbieter, deren Veranstaltungen sowie die dazugehörigen Adressen und bietet umfassende Orientierungshilfe für die Wahl der passenden Schule, da es die Münchner Tango-Lehrer(innen) kenntnisreich portraitiert. Auch die Tangomusiker und –Orchester der Stadt werden darin vorgestellt.
Dazu enthält es bisher unveröffentlichtes Material über die wichtigsten europäischen Tango-Pioniere, Lateinamerikaner, die Ende der 70er-Jahre wegen der Diktaturen in Uruguay und Argentinien den Tango durch ihr Exil zu uns zurückbrachten. Spannend zieht es den erzählerischen Faden vom Rio de la Plata über Paris und Berlin nach München und trifft somit auch das Interesse eines überregionalen Publikums.
All diese Bücher sind noch im Handel, können aber auch direkt bei mir auf dieser Homepage bestellt werden unter dem Link: (Tangobücher & Versand)
Von 2006 bis 2007 lebte ich etwa ein Jahr in Süd-Italien in dem Dorf San Pancrazio Salentino im Salento sowie in Lecce (beides Puglia), nutzte die Zeit, um am Buch „Tango in München“ und am „Nymphenspiegel-Kulturprojekt“ zu arbeiten sowie zu umfassenden kulturellen Studien.
Neben meiner Tätigkeit als Autor und Herausgeber seit 2006 betätigte ich mich, mit einigen Unterbrechungen, durchgehend weiter als Ballveranstalter und arbeitete häufig für Film und Fernsehen, hauptsächlich als Tanz-Coach, Vertrags-Choreograph und Tango-Lehrer bei der Ufa-Film-Produktion. Zum Beispiel mit dem Regisseur Bodo Schwarz, für den Spielfilm „Tango mortale“, wo ich die Tanzszenen gemeinsam mit dem argentinischen Hauptdarsteller Gaston Bacchiani choreographierte sowie, zusammen mit meiner damaligen Partnerin Valeria Marra, als Tänzer in einer Nebenrolle spielte.
Auch an anderen ZDF-Produktionen nahm ich teil, wie beispielsweise an „Bis daß dein Tod uns scheidet“. Dabei unterrichtete ich Schauspielerinnen und Schauspieler wie Senta Berger, Günther Maria Halmer oder Hilde Dahlik und viele andere.
Nachdem ich ab 2002 einige Zeit in Ingolstadt und der Holledau unterrichtet – und Milongas veranstaltet hatte, wie den „Tango Espresso“, eröffnete ich 2004 erneut eine Milonga in München: im „Café Tambosi“, direkt am Hofgarten / Odeonsplatz, die ab März dort für einige Monate jeden Mittwoch stattfand. Das Motto war Kaffee-Haus Tango in stilvoll italienischem Ambiente, etwas für Kaffeehaus-Liebhaber und Italophile, die bereit waren, sich dafür auch mit einer kleinen Tanzfläche zu begnügen. Ich bot Show-Tanz an und, wie bei all meinen Milongas, eine kostenlose Einführung. Eine verwandte Idee verwirklichte ich in Schloß Nymphenburg mit einer neuen Veranstaltungsreihe, mit der ich 2005 begann, in der dortigen Orangerie, mit dem Titel „Tango quattro stagioni“. Es ging mir darum, wie schon bei den Tango-Abenden im Café Tambosi, den Tanz wieder aus den Studios herauszuholen, in die Kaffees und schönen Säle der Stadt, wo man sich mit Freunden trifft, gut ißt und trinkt und, wie selbstverständlich, eben auch tanzt, wo der Tanz in die Lebenskultur integriert ist, als Teil. Die Reihe begann mit dem festlichen Ball „Tango Royal“ und es folgten daraufhin vier Jahreszeiten-Bälle. Sommer 2005 veranstaltete ich auch den „Großen Tango-Opernball“ in Schloß Nymphenburg unter dem Motto „Tango y Opera“, gemeinsam mit der Pianistin und Sopran-Sängerin Petra Steidl, der Mit-Autorin meines ersten Tangobuches, um beide Kunstformen, die vieles gemeinsam haben, nicht nur die italienischen Wurzeln, miteinander zu verbinden. Selbstverständlich waren alle Bälle mit Live-Musik.
Seit 2008 unterrichte ich vor allem über mein Konzept des Privaten Salons und gebe ansonsten Einzel-Unterricht.
Mehr über meine derzeitigen Unterrichts-Angebote auf dieser Homepage unter dem Link: Tango-Unterricht
Meine wichtigsten Lehrer, neben Juan D. Lange (Montevideo/ Berlin), sind Michael Rühl (Berlin) und Antonio Todaro (Buenos Aires).”
Weitere Informationen zu Ralf Sartoris sonstigen Tango-Angeboten, unter den Links dieser Seite / Und weitere Projekte von Ralf Sartori unter
www.die-neue-isar.com
Ralf Sartori, Tel: 089/ 56 48 38, Mail: nymphenspiegel@aol.com




