Tango Politico und Aktualitäten

 

Neues vom Tango und ausgewählte Petitionen

Oder: vom Beziehungstanz par excellence zum Tanz der Beziehung und der Achtsamkeit … weiter zum politischen Engagement; gar kein so weiter Weg …

 

Prolog: Tango – ein paar Gedanken zur Herkunft und wofür er steht

Der Original-Tango vom Rio de la Plata war von Anfang an eine ausgeprägte Beziehungs-Kultur, die sich, hervorgehend aus ihren afrikanischen Wurzeln, unter Einfluss einer globalen Immigranten-Mischung, und in durchwegs prekären Verhältnissen innerhalb der Vorstädte von Montevideo und Buenos Aires, etwa ab 1870 auszuformen begann.

Eine Beziehungskultur im Spannungsfeld von Nähe- und Bindungs-Sehnsucht auf der einen Seite, wie auch Kampf und Abgrenzung auf der anderen.

Eine Kultur jedenfalls, die sich direkt aus dem Volk, bzw. der bunten Bevölkerungsmischung in den brodelnden Schmelztiegeln dieser Vorstädte speiste und nährte, geprägt von den Beigaben und Zutaten all ihrer Kulturen, deren verwegenen Botschafter und BotschafterInnen die dort Gestrandeten dieser Welt waren.

Eine Beziehiehungskultur in Musik, Tanz, Textdichtung und festlichen Ereignissen, der einfach gar nichts fremd war, was das Leben für einen Menschen bereithalten konnte.

Eine Beziehungskultur, die sich in autopoietischer Weise aus sich selbst – und ihren eigenen Prozessen heraus – entfalten und manifestierten konnte, ohne jegliche von außen gelenkte Einflussnahmen.

Keine Standardisierung – bis zum heutigen Tage – hat dieser echte, improvisierte Tango je geduldet und über sich ergehen lassen. Er ist ein kraftvoller Anarchist, dem das Leben selbst sein Herz geöffnet hat, sein eigenes wie auch das des Tänzers. So wird er in inniger Umarmung – bis zum heutigen Tage – Herz an Herz, direkt voreinander getanzt – dieser Tango –, ohne jedoch einander die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Vielleicht ist genau das eine seiner Kernbotschaften, die er auch noch für uns heutige Menschen bereithält: Freiheitlichkeit und Verbindung bzw. Verbindlichkeit in einem tänzerischen Guss!

Nichts hat er von seiner Kraft und Resilienz je verloren. Resilienz?! Ja, denn er lässt sich nichts vormachen, fällt auf keine Ideologien herein. Seine Tänzerinnen und Tänzer kommen aus jeglichen Richtung und finden dennoch in ihm zusamen. Er ist ein Individualist, der all seine Potenziale kennt und wahrt, sie empathisch, aus jeglicher Verbundenheit, speist.

Als altersweiser und doch ewiger Krieger, der seinen Bezugspunkt allein im eigenen empfindenden Herzen trägt, hat er jedoch gelernt, wofür sich der Einsatz lohnt.

So ist es für ihn doch letztlich immer das Lebendige, das Organische, Gewachsene aber auch weiter prosperierende, das Nährende, an dem jede, jeder in ihrer/ seiner Weise Anteil haben soll.

Ein anderes Wort dafür, das dem nahe käme – müsste man noch eines finden – wäre vielleicht Humanismus.

Doch bleiben wir beim alten Begriff: TANGO! Der älter ist als jede unserer kollektiven Erinnerungen, klang er doch bereits mit in den Stammestrommeln Afrikas, schon lange, bevor die Kolonialmächte dort ihre unsäglichen Verbrechen verübten. Denn in zahllosen afrikanischen Sprachen findet sich der Begriff “Tango” in kaum gewandelter Form für die heilig-rituellen Trommeln, die zum Tanze rufen. Ausführliche Einblicke in die afrikanischen Wurzeln des Tango gibt auch mein neues Buch.

Mehr dazu unter: http://tango-a-la-carte.de/tango-buecher/tango-global-buch-ausgaben/tango-global-sonderbaende/tango-essays-themen-sonderband-3.

 

Und wenn Tango ein dynamisch-schöpferischer Ausdruck größtmöglicher Empathie und Verbundenheit ist und dies daher die Wahrnehmung des Tänzers auch bestimmt, wird er unweigerlich politisch und sich auflehnen, gegen das, was sich gegen das Leben, gegen die Vielfalt, auch gegen die Gerechtigkeit und gegen die Liebe wendet. Tango ist ein Kosmopolit, schon von Geburt an. Jeglicher Nationalismus ist ihm zuwider. Daher ist er längst auch zum Tanz der globalisierenden Welt geworden, zu einem nonverbalen, körpersprachlichen Bewegungs-Esperanto.

Und was das wichtigste ist: TANGO besitzt eine aufrechte Haltung und er richtet auf. Er verkörpert in Haltung, Tanz und Umgang Werte, die er permanent einfordert, einzuüben wie auch auszuüben. Dieses zugleich janusköpfige Reptil, dessen Wurzeln ebenso aus der Unterwelt kommen, und der sich in seinem langen Leben solide in alle Himmel verzweigen konnte.

Natürlich kann jemand, nach der bisherigen Beschreibung, im übertragenen Sinne einE hervorragendeR TangotänzerIn sein, ohne diesen Tanz, im wörtlichen Sinne, je erlernt und geübt zu haben.

Und natürlich gilt hier ebenso der Umkehrschluss, da der Tango zwar immens inspirierend ist, seine hohen Qualitäten auch außerhalb der Piste, in sämtlichen Bereichen des Lebens, zu tanzen, er dies aber nicht zwingend einfordert. Hierin ist er äußerst tolerant.

 

Doch diese Seite hier richtet sich an die Tänzerinnen und Tänzer, deren inneres Empfinden sie zum politischen Handeln führt,

und selbstverständlich ist damit kein parteipolitisches gemeint.

Neben den Tango-Aktualitäten meiner Arbeit finden sich hier daher auch immer wieder Petitionen verlinkt, die ich persönlich als unterstützenswert empfinde.

Und gerne können Sie, könnt Ihr, mich auch auf weitere Initiativen aufmerksam machen, die vielleicht ebenfalls für eine Verlinkung hier in Frage kämen.

Meine Mail ist nymphenspiegel@aol.com, telefon. bin ich erreichbar unter 0172/ 827 55 75.

Freu mich über Rückmeldungen, gerne auch kritische, sowie Anregungen, dieses “Manifest” weiterzuentwickeln.

Danke für Euer, Ihr Interesse, und fürs Lesen!

Mit herzlichen Grüßen,

Ralf Sartori

 

 

Petitionen:

 

„Schluss mit ungerechter Erbschaftssteuer“

Oder: „Wie die Miet- und –Immobilien-Preisspirale weiter angeheizt wird, durch die kürzliche Neu-Ordnung der Erbschafts- und Schenkungssteuer“

Bei dieser Petition geht es um ein Thema, das unmittelbar meine bayerische Heimat betrifft, und vielleicht erst einmal, oberflächlich betrachtet, den Eindruck erweckt, als würde die Initiative vor allem den Reichen und Wohlhabenden nützen. Doch das täuscht! Denn in den letzten Jahren sind hier bei uns, in München und dem gesamten Umland, bis zu den Alpen, sowohl die Mieten also auch die Immobilien-Preise förmlich explodiert – und tun dies immer weiter, in einer Weise, dass Wohnen zum kaum mehr erschwinglichen Luxusgut geworden ist.
Dafür gibt es eine Vielzahl an Gründen. Einer davon besteht jedoch in der derzeitigen Regelung für die Erbschafts- und Schenkungssteuer, welche eben gerade die nicht Wohlhabenden zwingt, ihr soeben geerbtes Elternhaus gleich zu verkaufen, anstatt es behalten zu können. Und genau diese Regelung heizt die Preisspirale noch mehr an, weil sie zum immer rasanteren Zwangs- und Ausverkauf des traditionellen Bestandes führt, und diesen kommerziellen Bauträgern, Luxus-Käufern und Immobilienspekulanten zum Fraße vorwirft.
Und dadurch steigen nicht nur die Kaufpreise rasant weiter, sondern selbstverständlich auch die daran gekoppelten Mieten.
Aufgrund der Lobbyarbeit der Notar- und Makler-Verbände, die davon natürlich am meisten profitieren, wird mittlerweile der Verkehrswert als Bemessungsgrundlage fuer diese Steuer angesetzt (also ein Wert, der dem Marktwert nahekommt) und nicht mehr der wesentlich niedrigere Einheitswert, wie das jahrzehntelang der Fall war.
Gerade aber im ländlichen Bereich beschleunigt sich dadurch der Ausverkauf traditioneller Gebäude-Ensembles und Lebenszusammenhänge noch mehr. Noch vor kurzem haben die Freibeträge in der Regel genügt, um das Familienhaus auf dem Lande nicht verkaufen zu müssen, auch wenn man nur aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammte.
Wer verkauft, ist danach zwar reich! Wer aber nicht verkaufen möchte, wird genau dazu gezwungen. Deshalb wäre es doch die gerechtere Lösung, den Verkauf zu versteuern (und dies sehr gerne auch hoch!!!), bzw. den Erlös daraus, nicht aber die Immobilie an sich, wenn man sie behalten, zu fairen Konditionen vermieten und/ oder selbst nutzen möchte. Darin läge eine wünschenswerte Steuerungswirkung, die Preissteigerungsrate vielleicht etwas abzuschwächen – oder wenigstens nicht zusätzlich weiter anzuheizen.

 

Noch einmal zusammengefasst:

Wir unterstützen diese Petition, die sich kritisch mit der Neu-Regelung der Erbschafts- und Schenkungssteuer auseinandersetzt, weil letztere bei den meisten Immobilien-Erben zu Zwangsverkäufen führt, und dadurch die Miet- und –Immobilien-Preisspirale weiter angeheizt, die Gentrifikation sowie die Zerstörung von Altbeständen und gewachsenen Lebens-Zusammenhängen noch mehr befördert werden.

Und weil wir sie für extrem übergriffig in familiäre Bereiche und Angelegenheiten halten, und für ungerecht!

Bezeichnenderweise wurde diese Initiative im Tegernseer Tal gestartet, das längst zu einem Sozial-Ghetto für Multimillionäre geworden ist, und wo sich Einheimische kaum mehr zu leben leisten können.

Doch München ist von diesem Stand, der für viele MünchnerInnen ohnehin schon längst Realität ist, nicht mehr weit entfernt.

Bitte helft daher mit, diese Petition weiterzuverbreiten, sie zielt in die richtige Richtung, und unterschreibt sie auch. Denn ebenso die Mieter haben dadurch das Nachsehen, wenn die Immobilien-Preise immer weiter anziehen und gewachsener Bestand zerstört wird, mittels Planierraupen, um weiteren Platz für maximal profitorientierte Luxus-Immobilien zu schaffen.

Übrigens: Ich selbst bin nicht reich, aber mich macht der Ausverkauf meiner Heimat einfach nur noch wütend und traurig. Daher: Widerstand ist allemal besser als Resignation und Depression!

Danke, wenn Ihr Euch der Petition anschließt und sie verbreiten helft. Ihr findet sie unter: https://www.openpetition.de/…/schluss-mit-ungerechter-erbsc….
Übrigens eine tolle Plattform, auf der Ihr auch ganz unkompliziert Eure eigene Petition starten könnt.

 

Ralf Sartori

 

 

Und nun zu meinen Tango-Aktualitäten:

 

Die neueste Tangobuch-Veröffentlichung

findet Ihr unter dem Link: http://tango-a-la-carte.de/tango-buecher/tango-argentino-literatur-tango-buch-neuerscheinung.

Der zweite Teil dieser Essay-Sammlung

ist von Juni 2018 an im Handel erhältlich. Einen ausführlichen Einblick in den Inhalt gibt es unter: http://tango-a-la-carte.de/tango-buecher/tango-global-buch-ausgaben/tango-global-sonderbaende/tango-essays-themen-sonderband-3.

 

Beide Teile (als Band 5 und Band 6 der Reihe TANGO GLOBAL) bilden eine Einheit und damit die vollständige Sammlung meiner Tango-Essays der letzten Jahre: zu den Themen „Tango und Beziehung“, „Tango in Verbindung mit Paartherapie“, Tango und Philosophie“, „Tango an den Schnittstellen zu den Natur- und Sozialwissenschaften“, „Tango und Widerstand“ bzw. „Tango und Politik“ „Tango im Licht seiner Kulturgeschichte“

 

Zum Schluss noch die aktuellen Termine unserer weltweit einzigartigen Tangofilm-Reihe mit offenem Ende

Matthias Helwig, Leiter des „Internationalen Fünf Seen Filmfestivals“, und ich, leiten gemeinsam die weltweit einzigartige Filmreihe „Tango im Kino“, mit einer Milonga (Tangotanzen für alle) nach jedem Film.

Immer jeden letzten Freitag im Monat, und dies dann immer abwechselnd auf Schloss Seefeld, und in Gauting bei München.

 

Zum aktuellen Termin auf Schloss Seefeld unter:

http://tango-a-la-carte.de/tango-muenchen-das-muenchener-tangoangebot/tangofilm-breitwand-kino-schloss-seefeld-milonga

 

Zum aktuellen Termin in Gauting unter:

http://tango-a-la-carte.de/tango-muenchen-das-muenchener-tangoangebot/tangofilm-nacht-mit-tangobar-und-milonga-im-neuen-kino-breitwand-gauting

 

Unser Motto: Wer gut kämpft für eine bessere Welt, der, die soll auch gut feiern!

Hasta siempre

Ralf

 

 

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